Posted by on Mittwoch, 28. Juli 2010 in Blog, Fotografie | 3 Kommentare

Nikon-Guru Thom Hogan hat gestern darüber spekuliert, dass Sony keine Vollformat-Kameras mehr entwickeln und produzieren wird. Leider ist das recht fundiert begründete Gerücht inzwischen verschwunden. Ich will trotzdem versuchen, es zu rekonstruieren und zu klären, was daran sein könnte.

Vollformat von Sony: Alpha 900

Gestern gab es bei Thom Hogan (professioneller Nikon-Fotograf) einen interessanten Beitrag zu lesen. Hogan berichtet darin von Gerüchten, dass Sony Semiconductors (die Halbleitersparte von Sony) plane, die Fertigung von Vollformat-CMOS-Sensoren aufzugeben. Für Nikon-Fotografen ist das durchaus interessant, denn bisher hat offenbar Nikon die Sensoren von Sony bezogen (auch wenn das bei Sony niemand bestätigen möchte).

Ich habe den Beitrag am 27.07. gegen 14:00 Uhr mehrfach gelesen.  Jetzt, kurz vor Mitternacht, ist er  verschwunden und durch den Beitrag Conspiracy Theorists ersetzt – ärgerlich. Immerhin gibt es dort noch einen kleinen Hinweis, dass der ursprüngliche Beitrag einmal existierte  („As I noted in the original article, Sony itself is at the heart of these rumors“ am Beginn des dritten Absatzes). Ich versuche hier einmal wiederzugeben, was Thom Hogan ursprünglich geschrieben hatte:

Laut Hogan hätten eine Reihe unzufriedener Kamera-Entwickler bei Sony gezielt gestreut, dass Sony Semiconductors plane, die Fertigung von Vollformat-CMOS-Sensoren aufzugeben. Grund seien die immensen Fertigungskosten der Vollformat-Sensor. Hogan geht davon aus, dass VF-Sensoren zehnmal teuer sind als APS-C-Sensoren. Und schlimmer noch: Anders als sonst in der Halbleitertechnik üblich, lassen sich bei den Bildsensoren durch neue Fertigungsprozesse kaum Kosten sparen – schlichtweg, weil die Sensorfläche dieselbe bleibt.

Hogan meinte in seinem Originalbeitrag aber auch, dass mit einem Ende der Fertigung von VF-Sensoren bei Sony noch nicht das Ende der VF-Kameras gekommen sein müsse. Die Sensoren werden weit im Voraus entwickelt und „auf Halde“ gefertigt. Aber so es noch einen Nachfolger zur Alpha 900/850 geben sollte, wäre das dann die letzte VF-Kamera von Sony.

Offiziell bestätigen wird derartige Gerüchte natürlich niemand.  Aber ich kann mir gut vorstellen, dass da mehr als ein Körnchen Wahrheit dran ist. Nachdem Sony 2006 die DSLR-Sparte von Konica-Minolta übernommen hatte, hat der Elektronikriese sehr ehrgeizige Ziele formuliert. Nummer zwei wollte Sony im DSLR-Markt werden, mindestens 20 Prozent Marktanteil erreichen. Letzteres hat Sony vielleicht geschafft, aber sicher nur im Bereich der Einsteiger- und Mittelklasse-Kameras. Im Semipro-Bereich (früher durchaus eine feste Bank bei Minolta) hinkte Sony eigentlich immer hinterher:

  • Als die Alpha 700 im September 2007 vorgestellt wurde, fehlte ihr Live-View.
  • Im September 2008 erschien mit der Nikon D90 die erste Mittelklassekamera, die HD-Videos aufzeichnen kann. Von Sony gibt es auch rund zwei Jahre später keine DSLR mit Videofunktion.
  • Die Alpha 700 ist seit November 2009 abgekündigt, einen Nachfolger gibt es weiterhin nicht.
  • Der Autofokus der Spitzenmodelle A900/850 basiert weitgehend auf fast zehn Jahre alte Entwicklungen von Minolta (Dynax 7).
  • Die Blitzbelichtung (insbesondere mit ADI) ist unzuverlässig wie eh und je.
  • Obwohl mehrfach inoffiziell in Aussicht gestellt (zuletzt im Februar 2010), gibt es nach wie vor kein Firmware-Update für die A900/A850, das endlich rauschärmere/detailreichere JPEG-Dateien liefert.

Bei all diesen Schwierigkeiten hat Sony die großen Konkurrenten Canon und Nikon jedoch in einem Punkt überholt: Bei den spiegellosen Systemkameras, mit der NEX. Da kann ich mir durchaus vorstellen, dass Sony sein Augenmerk und Entwicklungspotential zukünftig auf dieses Kameraklasse richten wird.  Und auf DSLRs, die Videos aufnehmen können.  Weder Video-DSLRs noch spiegellose Systemkameras benötigen jedoch einen Vollformat-Sensor.