Posted by on Montag, 30. August 2010 in Blog, Fotografie | Keine Kommentare

Mein Test-Motiv

Das bei hohen ISO-Zahlen gefürchtete Bildrauschen lässt sich mit einem einfachen Trick in den Griff bekommen: Man nimmt das Foto einfach mehrfach auf und verrechnet die Aufnahmen dann zu einem Bild. Das geht zum Beispiel mit Photoshop. Viel einfacher wäre es natürlich, wenn bereits die Kamera die Rauschreduktion durch Mehrfachbelichtung beherrschen würde. Die NEX-3 und NEX-5 können es. Ich habe die Funktion einmal ausprobiert und mir auch angesehen, wie gut sich die NEX-3 dabei im Vergleich zum manuellen Verfahren mit Photoshop schlägt.

„Anti-Bewegungs-Unschärfe“ nennt sich bei der NEX die Funktion, mit der sie ein Bild mehrfach aufnimmt und die Aufnahmeserie dann zu einem rauscharmen Foto verrechnet. Dahinter steht die Idee, dass bei zunehmender Dunkelheit die Belichtungszeiten immer länger werden – und damit die Gefahr des Verwackelns oder eben vom Motiv ausgehender Bewegungsunschärfe steigt. Abhilfe könnte hier natürlich ein leistungsstarkes Blitzgerät schaffen, aber für die NEXen hat Sony halt nur ein putziges Blitzwürfelchen mit schlapper Leistung (LZ 7) zu bieten.

„Anti-Bewegungs-Unschärfe“ ist bei der NEX ein eigenständiges Aufnahmeprogramm. Ist es gewählt, macht die Kamera alles selbst: Das Objektiv bleibt voll aufgeblendet, die Verschlusszeit unterschreitet nach meinen Tests die 1/125 Sekunde nicht. Wenn nötig, schraubt die NEX die ISO-Zahl hoch und höher, ihr Empfindlichkeitsbereich reicht ja bis zu sehr hohen ISO 12.800. Wird der Auslöser gedrückt, schießt die Kamera in sehr rascher Folge fünf oder sechs Aufnahmen (genau konnte ich das nicht ermitteln). Dann erscheint die Meldung „Verarbeitung“ auf dem Bildschirm, einige Sekunden später ist das Foto endgültig im Kasten.

Ich habe das Ganze in einem fast komplett abgedunkelten Zimmer mal ausprobiert – vom Stativ aus. Die NEX-3 hat sich dabei ISO 6400 genehmigt und verblüffend rauschfreie Ergebnisse produziert. Die Kehrseite der Medaille: Die Aufnahmen wirken flach und detailarm. Sorry, dass ich zudem nicht auf eine korrekte Belichtung geachtet habe – die Bilder sind unterbelichtet.

Mehrfachbelichtung der NEX bei ISO 6400 (100%-Ausschnitt)

Die selbe Szenerie habe ich dann nochmals im RAW-Format aufgenommen, auch wieder mehrfach. Die Bilder wurden anschließend mit den Standard-Einstellungen in Adobe Camera Raw (Reduktion des Luminanzrauschens auf 0) in einer Datei als Ebenen geladen. Diese Ebenen habe ich in ein Smart-Objekt umgewandelt und dessen Stapelmodus auf „Arithmetisches Mittel“ gesetzt. Zu meiner Überraschung ist das Ergebnis keineswegs besser als das, welches die NEX geliefert hat. Zwar sind die Details etwas deutlicher, dafür rauscht es aber auch mehr.

Mehrfachbelichtung ISO 6400 in RAW ("entwickelt" in Photoshop CS5)

Noch erschreckender ist, wie wenig sich aus einer einzelnen RAW-Datei herausholen lässt. Ich erspare es mir hier, das Ergebnis auch noch zu präsentieren.

Nicht so eindeutig fällt das Ergebnis bei IS0 1600 aus (die niedrigere Empfindlichkeit war möglich, nachdem ich einen Fensterladen geöffnet hatte). Hier scheint mir die in Photoshop entwickelte RAW-Mehrfachbelichtung detailreicher als die in JPEG gespeicherte Mehrfachbelichtung der NEX, bei vergleichbar (niedrigem) Rauschniveau.

Mehrfachbelichtung der NEX bei ISO 1600

Mehrfachbelichtung der NEX bei ISO 1600 (100%-Ausschnitt)

Insgesamt ist es schon beeindruckend, wie stark die NEX dank Mehrfachbelichtung das Rauschen in den Griff bekommt. Das Ganze funktioniert übrigens auch bei Aufnahmen aus der Hand, natürlicher umso sicherer, je fester man die Arme auf einer stabilen Unterlage aufstützt.

Mehrfachbelichtung ISO 6400 in RAW ("entwickelt" in Photoshop CS5)

Unterm Strich ist allerdings für mich das Programm „Anti-Bewegungs-Unschärfe“ bei den NEXen eher ein Notbehelf. Weder hat man die Möglichkeit, die Blende einzustellen (immer Offenblende), noch die Verschlusszeit oder eine gewünschte ISO-Empfindlichkeit vorzugeben. Das hat Sony bei den neuen Alphas besser gemacht: Bei der Alpha 560/580 bzw. A33/55 ist die „Multi Frame Noise Reduction“ ins ISO-Menü gewandert, dorthin, wohin sie meiner Meinung nach auch gehört. Das heißt dann wohl, dass man die Funktion wie eine „normale“ ISO-Einstellung mit anderen Parametern kombinieren kann.