Posted by on Dienstag, 5. Oktober 2010 in Blog, Fotografie | Keine Kommentare

Ich werde immer wieder gefragt: „Wie hast du das Foto eigentlich aufgenommen?“ Da habe ich mir gedacht, ich zeige hier einfach so zwei, drei Mal im Monat, wie ich’s gemacht habe. Den Anfang mache ich mit einem Bild vom Krimmler Wasserfall. Hier kam es mir darauf an, das herabtosende Wasser weich und fließend darzustellen.

Fließendes Wasser wirkt auf dem Foto umso weicher, je länger die Belichtungszeit ist. Bei meinem Bild war der Verschluss der Kamera für 0,5 Sekunden geöffnet. Derart lange Belichtungszeiten lassen sich bei Tageslicht nur mit ein paar Tricks erreichen. Ich habe:

  • die Blende am Objektiv so weit wie möglich geschlossen (f25)
  • an der Kamera die kleinstmögliche ISO-Empfindlichkeit (ISO 100) eingestellt
  • zusätzlich einen Graufilter (ND 0,9) sowie einen Polfilter vor das Objektiv geschraubt
  • und natürlich die Kamera auf ein Stativ gestellt.

Graufilter sind unverzichtbar, wenn ihr längere Belichtungszeiten oder höhere Blendenwerte erzielen möchtet, als es die Lichtverhältnisse eigentlich zulassen. Es gibt sie in verschiedenen Stärken. Mein ND-0,9-Filter verlängert die Belichtungszeit um das 8-fache. Der Polfilter schluckt noch einmal rund eine Blendenstufe Licht, verdoppelt die ursprüngliche Belichtungszeit also. Zusätzlich habe ich die Belichtungszeit um 0,3 Stufen nach oben korrigiert, damit das fließende Wasser nicht zu dunkel aufs Bild gerät. Ohne diese Korrektur und ohne die Filter hätte die Kamera bei f25 und ISO 100 eine Belichtungszeit von etwa 1/60 Sekunde gewählt.

Ich persönlich mag es, wenn fließendes Wasser noch als solches zu erkennen ist. Deshalb bewege ich mich meistens zwischen Belichtungszeiten von 1/10 und 1 Sekunde. Bei Motiven wie dem Krimmler Wasserfall nehme ich mindestens drei Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten auf. Dann kann ich später am PC-Monitor in Ruhe entscheiden, bei welcher Belichtungszeit das Wasser ganz nach meinem Geschmack fließt.

Manche Fotografen bevorzugen deutlich längere Belichtungszeiten. Dann wird das fließende Wasser zu einer neblig wabernden Wolke, was dem Foto ja nach Betrachtungsweise einen surrealen oder romantischen Touch verleiht. Dafür braucht ihr dann ein ND-2-Filter, der die Belichtungszeit etwa um das 100-Fache verlängert. Mit einem ND-2-Filter hätte sie bei meinem Foto etwa 16 Sekunden betragen.