Posted by on Mittwoch, 27. Oktober 2010 in Blog, Fotografie | Keine Kommentare

Kaum ein Feature der Alpha 33/55 wird derart kontrovers diskutiert wie der elektronische Videosucher (EVF). Wer bislang mit einer klassischen DSLR fotografiert hat, kann sich vielleicht schwer vorstellen, dass ein EVF einen klassischen optischen Sucher ersetzen kann. Auch ich war zunächst skeptisch, fotografiere ich doch bevorzugt mit einer Alpha 900. Und deren Sucher gilt gemeinhin als der beste optische Sucher, den der Markt derzeit zu bieten hat.

Dank weiter Dioptrienkorrektur (Einstellrad rechts) lässt sich der Sucher meist auch ohne Brille nutzen.

Sony selber war der Schritt zum EVF wohl derart radikal, dass die Japaner der Alpha 33/55 mit der Alpha 560/580 konventionell konstruierte „Cousinen“ zur Seite gestellt haben. Das wäre meiner Meinung nach gar nicht nötig gewesen – der Videosucher der Alpha 33 leistet vorzügliche Dienste. Leider kann ich dazu rein gar keine Bilder zeigen – dieser Beitrag hier muss fast alleine von den Worten leben.

Der Blick durch den Sucher der Alpha 33 ist eine wahre Wonne. Zumindest, wenn man bislang nur die winzigen Guckkasten-Sucher der bisherigen Live-View-Modell von Sony (also die 300er Alphas sowie Alpha 500/550) gewohnt war. Aber auch den Vergleich mit einem typischen Mitteklasse-Sucher (etwa einer Canon 550D) muss der EVF nicht scheuen. Er ist weder besser noch schlechter als ein typischer Sucher einer APS-C-Kamera aber ganz sicher anders.

Der elektronische Sucher der Alpha 33 löst derart hoch auf (netto rund 1,15 Mio. Subpixel), dass das Sucherbild sehr klar und detailliert ist. Dazu trägt sicher auch bei, dass der EVF einen recht hohen Kontrastumfang darstellen kann. Nur wenn man ganz genau hinsieht, wirkt das Sucherbild etwas „milchig“ – mich stört’s nicht. Auch die Farbwiedergabe des EVF geht OK, wenngleich ein optischer Sucher Farben sicherlich weniger verfälscht. Mir ist allerdings ein Farbstich im Sucherbild der Alpha 33 bislang nicht aufgefallen.

Ein Problem haben elektronische Sucher: Schnelle Bewegungen stellen sie gerne mit „Schlieren“ dar. Davor ist auch der EVF der Alpha 33 nicht ganz gefeit. Schwenkt man die Kamera fix auf ein neues Motiv, sieht man in der Tat kurz ein verschliertes Bild. Ich kann damit bestens leben, Hauptsache das Sucherbild ist augenblicklich wieder klar, sobald die Kamera ruhig steht. Und das schafft die Alpha 33.

Was mich dagegen stört: Das Sucherbild ist sichtbar kleiner als die tatsächliche Fläche des EVF-Monitors. Fotografiert man im Format 16:9 wird die aktive Fläche zumindest in der Breite nahezu komplett ausgenutzt. Im weitaus gebräuchlicheren 3:2-Format erscheint dagegen rund um das eigentliche Sucherbild ein schwarzer Rahmen. Bei dpreview gibt es eine Illustration, die dieses Problem sehr schön verdeutlicht. http://www.dpreview.com/reviews/sonyslta55/page8.asp

Auch ein alter Winkelsucher von Minolta funktioniert mit dem EVF der Alpha 33 tadellos.

Weitaus schwerer wiegt jedoch, dass das Sucherbild recht weit vor der Austrittspupille erzeugt wird. So habe ich immer den Eindruck, in ein Rohr zu schauen, bei dem irgendwo in der Mitte ein Bild aufgehängt ist. Gerade als Brillenträger habe ich so kaum eine Chance, das komplette Sucherbild zu überblicken. Ich schiebe also die Brille keck in die Stirn. Zum Glück bietet das Sucherokkular einen Korrektur von +/- 4 Dioptrien, so dass ich auch ohne Nasenfahrrad ein scharfes Sucherbild erhalte.

Dafür entschädigt der elektronische Sucher dann wieder mit einer strahlenden Helligkeit, die ein optischer Sucher in vielen Situationen einfach nicht bieten kann. Wenn’s dunkel wird, regelt der EVF die Helligkeit hoch. Dabei mogelt sich zwar mit zunehmender „Restlichtverstärkung“ ein unschönes Farbgrieseln ins Sucherbild. Aber der Sucher zeigt auch dann noch Kontoren, wenn das menschliche Auge kaum noch Schemen erkennen kann. Unterm Strich nehme ich das grobe Farbrauschen im Sucherbild gerne in Kauf, im Dunkeln ist im EVF der Alpha 33 mehr zu erkennen als im famosen optischen Sucher Alpha 900. Das gilt auch, wenn man mit der Abblendtaste (die Alpha 33 hat sie!) zur Schärfentiefekontrolle auf die eingestellte Arbeitsblende umschaltet. Anders als bei einem optischen Sucher wird es im EVF der Alpha 33 dabei nicht duster.

Im elektronischen Sucher der Alpha 33 erscheint auf Wunsch eine Fülle an Informationen. Besonders angetan hat es mir, dass sich ein Live-Histogramm einblenden lässt – so sieht man mögliche Belichtungsprobleme auf einen Blick. Einen „künstlicher Horizont“ zeigt der Sucher auf Wunsch ebenfalls, er macht es wirklich leicht, die Kamera waagerecht auszurichten. Außerdem gibt es diverse Gitternetze, die bei der Bildgestaltung helfen. Leider informiert auch die Alpha 33 nicht, welche ISO-Zahl sie wählt, wenn die Empfindlichkeit auf „Auto“ gestellt ist. Dieser Punkt bleibt also weiterhin auf meinem Wunschzettel an Sony stehen.

Der EVF der alpha 33 gibt unterm Strich einen Sucher ab, den man in der Praxis bestens gebrauchen kann. Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass man mit dem Display der Kamera eine wirklich gute Alternative zum EVF hat. Doch spätestens wenn man die Kamera vom Auge nimmt, bringt sich das Display sowieso wieder in Erinnerung – das Display schaltet sich nämlich automatisch ein, wenn man nicht durch den Sucher blickt.

In Sachen „Sucher“ geht für mich das Transluzent-Konzept bei der Alpha 33 voll auf. Der Videosucher ist deutlich größer als die optischen bei Sonys bisherigen Live-View-Modelle, zeigt stets ein sehr helles Bild und liefert auf Wunsch ausgesprochen viele Informationen und Gestaltungshilfen. Schlierenbildung bei schneller Kamerabewegung, ein bisweilen etwas milchiges Bild sowie Rauschen bei schlechten Lichtverhältnissen nehme ich da als Nachteile kaum wahr beziehungsweise gerne in Kauf. Bleibt noch die Frage, welche Auswirkungen das SLT-Konzept mit dem feststehenden Spiegel auf die Bildqualität hat. Dieser Frage werde ich in den nächsten Tagen nachgehen.