Posted by on Samstag, 19. Februar 2011 in Blog, Fotografie, Photoshop | 1 Kommentar

Unter meinen Foto-Freunden gelte ich ein wenig als Exot. Oder gar als Sonderling. Vielleicht auch als Spinner? Ich habe an meiner Kamera nämlich praktisch immer das Aufzeichnungsformat „RAW“ eingestellt. Das klingt mystisch, nicht wahr? Ich muss nur noch um Mitternacht bei Vollmond mit dem Knochen einer schwarzen Katze über meine Kamera streichen, und …

Nein, das RAW-Format hat gar nichts Geheimnisvolles. Und auch viele der Gerüchte, die sich ums RAW-Format ranken, kann man getrost ins Reich der Legenden verweisen:

  • RAW-Dateien lassen sich nur mit teurer Spezialsoftware wie Adobe Photoshop oder speziellen RAW-Konvertern weiterverarbeiten.
  • RAW-Dateien enthalten exakt die Daten, die der Bildsensor zum Zeitpunkt der Aufnahme aufgezeichnet hat.
  • RAW-Dateien erfordern einen großen Arbeitsaufwand, da sie einzeln am PC in JPEG-Dateien konvertiert werden müssen.
  • RAW-Dateien werden im Gegensatz zu JPEG-Dateien mit 16 Bit Farbtiefe gespeichert und erlauben so eine wesentlich differenzierte Wiedergabe von Farbtönen.

Ich könnte die Liste wahrscheinlich noch ewig fortsetzen. Aber ich kümmere mich jetzt lieber darum, was RAW-Dateien wirklich sind – und warum ich das RAW-Format so schätze. Ganz einfach: Weil ich lieber ein liebevoll zubereitetes Menü genieße als eine schnell in der Mikrowelle aufgewärmte Tütensuppe. RAW-Dateien sind wie die Zutaten zu einem exquisiten Mahl, JEPG-Dateien machen im besten Fall satt.

Fangen wir also mit Mythos Nr. 1 an: RAW-Dateien lassen sich nur mit teurer Spezialsoftware wie Adobe Photoshop oder speziellen RAW-Konvertern weiterverarbeiten. Richtig ist: RAW-Dateien kann man nicht einfach wie JPEG-Bilder in einem x-beliebigen Bildbearbeitungsprogramm öffnen. Es ist in Tat ein RAW-Konverter nötig, um die Roh-Daten zunächst einmal vorzubereiten und dann in ein handhabbares Format zu bringen. Aber: Jede Kamera, die RAW kann, bringt den Herd zum Garen des digitalen Rohmaterials bereits mit. Bei den Alphas von Sony ist das der Image Data Converter, kurz IDC, der jeder Kamera auf CD beiliegt.
Wer mit dem RAW-Konverter seiner Kamera nicht klar kommt, kann auf einen der vielen Freeware-Konverter ausweichen, zum Beispiel FastStone Image Viewer, RawTherapee, digiKam oder XnView. Diese RAW-Konverter haben jedoch (genauso wie IDC) einen großen Nachteil: Sie übergeben die konvertierten RAW-Dateien nicht direkt an ein Bildbearbeitungsprogramm. Das heißt: Man muss die entwickelten Rohdaten erst speichern (vorzugsweise im Speicherplatz-fressenden TIFF-Format), bevor sie sich in der Bildbearbeitung öffnen lassen – etwa, um sie zu drucken.

Diesen Nachteil habe ich nicht mit Photoshop CS5: Ich lade die Daten von meiner Speicherkarte in Bridge, dort übergebe ich eine RAW-Datei mit [Strg]+[R] an Camera Raw und klicke nach dem Konvertieren einfach auf <Öffnen>, um sie in Photoshop weiter zu bearbeiten. Genauso gut könnte ich Lightroom im Zusammenspiel mit Photoshop verwenden.

But that’s another song – mehr dazu gibt es später. In den nächsten Tagen werde ich mich der Frage zuwenden, ob RAW-Mythos Nr.2 stimmt:  RAW-Dateien enthalten exakt die Daten, die der Bildsensor zum Zeitpunkt der Aufnahme aufgezeichnet hat.