Posted by on Freitag, 27. Mai 2011 in Blog, Fotografie | Keine Kommentare

… besonders wenn das Objektiv von Sony ist. Dieser kleine Reim hat sich mir unweigerlich aufgedrängt, als ich den Test des Sony Carl Zeiss Distagon T* 2,0/24 mm SSM auf der von mir sehr geschätzten Seite photoscala gelesen habe.

Zugegeben: Mein kleiner Reim ist etwas polemisch. Ich möchte dem Autor des sehr aufwändigen Tests keineswegs unterstellen, beim Test „Mist gebaut“ zu haben. Oder gar den Test manipuliert zu haben, insbesondere nicht vorsätzlich. Als Fachjournalist halte ich es dennoch für äußerst problematisch, dass der Testbericht des Sony Carl Zeiss Distagon T* 2,0/24 mm SSM in dieser Form veröffentlich wurde.

Warum? Ganz einfach: Weil der Autor selbst schreibt, dass ihm seine Messergebnisse als sehr bescheiden für ein solches Objektiv erschienen. Und weil er bei Photozone und dpreview leicht hätte nachlesen können, dass andere Tester zu ganz anderen, nämlich weitaus besseren Ergebnissen kommen. Oder weil er den Praxis-Test von Kurt Munger hätte zitieren können, der dem Objektiv ebenfalls bei Offenblende eine weniger gute Schärfeleistung an den äußeren Bildrändern bescheinigt. Wenn es aber Zweifel beim Recherche-Ergebnis gibt, recherchiert ein guter Journalist nach. Und zwar solange, bis die Zweifel ausgeräumt sind oder (mindestens!) von einer zweiten Quelle bestätigt wurden.

Nun, nachrecherchiert hat der Autor. Aber immer nur mit seinem einem Test-Objektiv. Jede weitere Messung hat die Ergebnisse der vorhergegangenen bestätigt. Das lässt doch nur den einen Schluss zu: Das Sony Carl Zeiss Distagon T* 2,0/24 mm SSM ist Sch…, pardon: Mist.

Die Schlussfolgerung ist falsch. Sie gilt nur für das eine getestete Objektiv. Und da besteht durchaus die Möglichkeit, dass das getestete Exemplar einen Fehler hatte. Wenn ein zweites Test-Exemplar dieselben Auffälligkeiten gezeigt hätte, dann wäre die Veröffentlichung des Testurteils in Ordnung gegangen. Oder zumindest, wenn der Hersteller auf Nachfrage das Ergebnis prinzipiell bestätigt hätte.

Übrigens: Solche Labortests wie der von photoscala sind natürlich wichtig. Sie alleine reichen aber weitem nicht aus, die Güte eines Objektivs zu beurteilen. Die zeigt sich erst im Praxiseinsatz. Wenn es um Farbwiedergabe geht. Um die Darstellung unscharfer Bildbereiche (Stichwort: Bokeh), die Anfälligkeit für Flares (da machen die CZ-Objektive nach meiner Erfahrung keine so gute Figur). Und wenn sich zeigt, dass man ein 24-Millimeter-Objektiv an einer Vollformat-Kamera eh nicht bei Blende 2.0 verwendet.

PS: Natürlich hat auch Stevemark, der Sony-Zeiss-Minolta-Objektivguru, das Sony Carl Zeiss Distagon T* 2,0/24 mm SSM getestet –> click.