Posted by on Donnerstag, 16. August 2012 in Blog, Fotografie | Keine Kommentare

Schon seit einiger Zeit wird in einschlägigen Kreisen darüber gemunkelt, dass Sony bald einen Nachfolger für die NEX-5N präsentieren könnte. Nun, im Vorfeld der Photokina geht es in der Gerüchteküche immer besonders heiß zu. Daher haben mich entsprechende Spekulationen bislang nicht so sehr interessiert – so manches Geraune hat sich doch sehr schnell als pure Phantasie erwiesen.

Doch jetzt hat mich eine kleine Meldung auf einer der einschlägigen Gerüchteseiten aufgeschreckt: Angeblich wird Sony schon sehr bald (noch Ende des Monats?) die NEX-5N durch die NEX-5R ablösen. Das Besondere an der neuen 5er: Sie soll angeblich einen schnellen Phasen-Autofokus auf dem Bildsensor aufweisen. Das könnte möglicherweise ein Problem lösen, mit dem die NEXen ein wenig zu kämpfen haben: Ihr Autofokus ist nicht sonderlich fix.

Beim Phasenvergleichverfahren  ermitteln spezielle Autofokussensoren die Entfernung. Dazu werden (mindestens) zwei Teilbilder verglichen. Sind dieses deckungsgleich, ist die Entfernung korrekt eingestellt. Sind die beiden Teilbilder aber etwa nach innen verschoben, ist die Entfernung zu nah eingestellt. Der Phasenvergleich-AF kann bereits mit einer einzigen Messung feststellen, ob die Entfernungseinstellung verringert werden muss oder aber vergrößert. Zudem erkennt das System den optimalen Schärfepunkt, sobald dieser erreicht ist. Da Richtung und Einstellstrecke bis zum optimalen Fokuspunkt bekannt sind, ist der Phasenvergleich-AF recht schnell.
Beim Fokussieren via Kontrastmessung werden kleine Bereiche auf dem Bildsensor ausgelesen und ausgewertet. Ein Bild ist dann scharf, wenn die Hell-/Dunkelunterschiede (Kontrast) in den Messfeldern am größten sind. Dieses Verfahren liefert jedoch keine Informationen darüber, in welche Richtung die Entfernungseinstellung verstellt werden muss, um ein scharfes Bild zu erhalten – die Kamera muss es schlichtweg ausprobieren. Ebenso wenig kann der optimale Schärfepunkt in einem Zug angesteuert werden. Er wird vielmehr in immer kleiner werdenden Intervallen überfahren. Dadurch ist der Kontrast-AF deutlich langsamer als der Phasenvergleich-AF, aber meist noch etwas genauer.

Dass sich die schnelle Phasenvergleichsmessung auch in den Bildsensor integrieren lässt, hat Nikon ja bereits mit dem 1-System gezeigt. Aber auch Canon setzt inzwischen auf diese Technologie. Erst kürzlich habe ich die EOS 650D getestet, die erste DSLR, die im Live-View-Modus Phasen-AF und Kontrast-AF kombiniert einsetzt. Allerdings spielt dieser „Hybrid-Autofokus“ bei Canon seine Vorteile nur im Zusammenspiel mit neuen Objektiven aus. Diese STM-Objektiven sind mit Stepper-Motoren ausgestattet, die die aktuelle Entfernungseinstellung exakt an die Elektronik der Kamera zurückmelden. Falls jetzt Sony mit der NEX-5R eine ähnliche Technik einführen sollte, bleibt die Frage: Funktioniert der Sensor-basierte Phasen-AF mit allen Objektiven – oder nur mit speziellen, wie bei Canon?

Frisch aus der Gerüchteküche auf den ‚Tisch die weiteren Spezifikationen der NEX-5R (natürlich ohne Gewähr): Das Gehäuse soll ähnlich dem der NEX-F3 sein, also mit einem Display, das sich um nahezu 180 Grad nach vorne klappen lässt. Und wie bei der kleineren Schwester wird wohl  der auch der Sensor der NEX-5R weiterhin 16 Megapixel auflösen. Ganz neu soll Sony dagegen die NEX-5R mit WiFi ausstatten und damit die Kamera auch für die Generation „Facebook“ interessant machen. Umso mehr, als die NEX-5R angeblich sogar einen integrierten Webbrowser erhält und sich zudem Apps auf der Kamera installieren lassen sollen. Warten wir’s ab, was daraus wird.