Posted by on Sonntag, 23. September 2012 in Artikel | Keine Kommentare

Mit Photoshop CS6 kommt eine komplett überarbeitete Version von Adobe Camera Raw (ACR), dem RAW-Konverter von Adobe. Ursprünglich hörte dieser auf die Versionsnummer 7.0, doch seit einiger Zeit schon ist 7.1 die aktuelle Version des ACR. Hier hat Adobe nicht nur (wie sonst bei kleineren Updates üblich) ein paar Kameraprofile hinzugefügt, sondern ACR 7.1 auch eine neue Funktion zur manuellen Korrektur von Farbsäumen spendiert. Diese Funktion gab es schon einmal in ACR 6.x. Dass Adobe sie ursprünglich in Camera Raw 7 weggelassen hat, kam in der Photoshop-Gemeinde gar nicht gut an – auch bei mir nicht! Übrigens: Die neue Funktion gibt es auch in Lightroom, in der aktuellen Version Lightromm 4.1.

Camera Raw aktualisieren – so geht's

Normalerweise holt sich Photoshop CS6 neue Updates automatisch aus dem Internet, sobald diese verfügbar sind. Falls das einmal nicht klappt, klickst du in Photoshop CS6 oder Bridge CS6 im «Hilfe»-Menü auf «Aktualisierungen». Alternativ kannst du Camera Raw 7.1 hier bei Adobe auch direkt herunterladen.

In Camera Raw 7.0 (und Lightroom 4.0) hat Adobe bei der Korrektur von Farbsäumen ganz auf die Vollautomatik vertraut. Die funktionierte auch wunderbar, solange es galt, Farbquerfehler (laterale CAs) zu entfernen. Bei Farblängsfehlern (longitudinale CAs) hatte die Automatik jedoch so ihre Schwierigkeiten. Adobe hat sich ein wenig damit herausgewunden, dass die Funktion Chromatische Aberration entfernen nicht dazu gedacht sei, Farblängsfehler zu eliminieren.

Was ist „chromatische Aberration“?

Die chromatische Aberration (CAs) macht sich in der Fotografie in Form von Farbsäumen an Kontrastkanten bemerkbar (siehe auch das Aufmacherbild zu diesem Beitrag). Sie entstehen dadurch, dass Licht abhängig von seiner Wellenlänge (Farbe) von den Glaslinsen im Objektiv unterschiedlich stark gebrochen wird. Bei hochwertigen Objektiven minimieren Gläser unterschiedlicher Dispersion den unerwünschten Effekt, wodurch allerdings eine höhere Zahl an Linsen nötig wird. Entsprechende Objektive werden als „Apochromaten“ bezeichnet, sie tragen oftmals das Kürzel APO in der Bezeichnung. Man unterscheidet zwei Arten von CAs: Farbquerfehler oder laterale chromatische Aberration treten vor allem bei Weitwinkel-Objektiven beziehungsweise bei Zooms in Weitwinkelstelltung auf. Am stärksten sind sie an Kontrastkanten an den Bildrändern ausgeprägt, im Bildzentrum finden sich keine Farbquerfehler. Laterale CAs können Photoshop und Camera Raw relativ einfach und zuverlässig korrigieren. Farblängsfehler oder longitudinale chromatische Aberration entstehen an Kontrastkanten zwischen scharfen und unscharfen Bildbereichen. Sie werden daher auch als „Bokeh-CAs“ bezeichnet oder mit „Lo-Cas“ abgekürzt. Dieser Abbildungsfehler lässt sich bei der Objektivkonstruktion nur für eine Brennweite (Entfernungseinstellung) korrigieren. Meist ist dies die Unendlich-Stellung, jedoch nicht bei Makro-Objektiven. Prinzipiell gilt: Je länger die Brennweite (Tele) und je größer der Abstand zwischen scharfen und unscharfen Bildbereichen ist (große Blende), desto größer das Risiko, dass Lo-Cas auftreten.

Hinter der Option «Chromatische Aberration entfernen» verbirgt sich die vollautomatische CA-Korrektur von Camera Raw 7.1.

Mit ACR 7.1 ist nun die Möglichkeit zur manuellen Korrektur chromatischer Aberration zurückgekehrt – und zwar besser, denn je. Du findest sie zusammen mit der Automatik im Register Farbe unter den Objektivkorrekturen. Wichtig ist hier die Option Chromatische Aberration entfernen – sie aktiviert die Automatik, die sich aber vorrangig nur um laterale CAs kümmert. Das ist jedoch kein Beinbruch – Farbquerfehler treten wesentlich häufiger auf als die schwieriger zu handhabenden Farblängsfehler.

Farblängsfehler treten an Übergängen zwischen scharfen und unscharfen Bildbereichen auf.

Um Farblängsfehler bei Bedarf manuell zu entfernen, gehst du am besten so vor:

  1. Zoome weit ein, mindestens auf 100 %, besser auf 200 %. Du kannst auch mit der Lupe den Bildausschnitt einrahmen, den Camera Raw vergrößert anzeigen soll.
  2. Gehe in den Arbeitsbereich Objektivkorrekturen und dort ins Register Farbe. Die Option Chromatische Aberration entfernen schaltest du ein.
  3. Jetzt schaust du genau hin: In welcher Farbe zeigen sich Farbsäume? In meinem Beispiel ist der weiße Fellrand grün gefärbt – ich ziehe also den Regler Grün-Intensität gerade soweit auf, dass die grüne Leuchtkante verschwindet.

Oftmals lässt sich das Ergebnis noch feintunen. Du kannst nämlich sehr genau den Farbton der Leuchtkante verstellen, die Camera Raw entfernen soll:

  • Standardmäßig gibt Camera Raw den Farbbereich mit 40 / 60 vor. Klicke auf den Bereich zwischen den beiden Schiebern und ziehe ihn nach links oder rechts, um den Farbton Richtung Braun beziehungsweise Blaugrün zu verschieben.
  • Ziehe die Schieber nach innen, um die Wirkung der Korrektur einzugrenzen. Ziehe die Schieber nach außen, um den Farbbereich zu erweitern.