Posted by on Mittwoch, 30. Oktober 2013 in Blog, Fotografie | 9 Kommentare

Schon so manches neu gestartete Kamerasystem konnte sich nicht etablieren, weil schlichtweg die nötigen Objektive fehlten. Auf den ersten Blick könnte das auch zum Geburtsfehler bei der A7 und A7R werden. Denn gerade einmal fünf FE-Objektive hat Sony zum Verkaufsstart der ersten Vollformartkameras mit E-Mount angekündigt. Doch der Schein trügt – so klein ist das Angebot an geeigneten Objektiven für die A7/A7R gar nicht.

Aktualisiert: 24.02.2015 Noch immer wird dieser Beitrag sehr häufig aufgerufen. Die darin enthaltenen Informationen sind inzwischen teilweise veraltet. Eine stets aktuelle Übersicht der Objektive für die Alpha-7-Familie zeigt die Seite Objektive.

Mit den beiden ersten Vollformartkameras für das E-Bajonett muss Sony natürlich auch geeignete Objektive bringen. Die bisherigen Objektive für das E-Bajonett (NEX) sind schließlich alle für den kleineren APS-C-Bildkreis berechnet. E-Mount-Objektive von Sony, die den vollen Bildkreis der A7/A7R ausleuchten, tragen das Kürzel FE in der Bezeichnung.

FE-Objektive

Zum Verkaufsstart beziehungsweise bis ca. Januar 2014 wird Sony fünf Objektive anbieten, zwei Zooms und drei Festbrennweiten:

  • FE 28-70 mm F3.5-5.6 OSS (nur im Set mit der A7; Set-Preis ca. 1800 Euro)
  • Vario-Tessar T* FE 24-70 mm F4 ZA OSS (Preis: 1200 Euro)
  • Sonnar T* FE 35 mm F2.8 ZA (Preis ca. 800 Euro)
  • Sonnar T* FE 55 mm F1.8 ZA (Preis ca. 1000 Euro)
  • FE 70-200mm F4 G OSS (Preis noch unbekannt, kommt im Frühjahr 2014)

OSS steht für Objektive mit einem optischen Bildstabilisator, einen Stabi per Sensor-Shift haben die A7/A7R ja nicht.

Von den Objektiven auf der Liste konnte ich das FE 28-70mm F3.5-5.6 OSS sowie das Sonnar T* FE 55mm F1.8 ZA bereits ausprobieren. Das Standardzoom macht keine schlechte Figur, wenngleich sein Äußeres komplett aus Kunststoff gefertigt ist. Das Sonnar T* FE 55 mm F1.8 ZA ist dagegen eine echte Edellinse: Ungewöhnlich groß, dabei aber gar nicht mal so schwer. Wie von Zeiss nicht anders zu erwarten, ist die Abbildungsqualität fantastisch (soweit sich das jetzt schon sagen lässt). Vor allem das sehr ruhige und weiche Bokeh gefällt mir ausnehmend gut.

Bokeh FE 55 mm F1.8 ZA

A7 mit Sonnar FE 55 mm F1.8 ZA ∣ F1.8 ∣ 1/160 s ∣ ISO 3200

Bei der Vorstellung der A7/A7R hat Sony auch eine Roadmap gezeigt, die für 2014 fünf weitere Objektive ankündigt, darunter:

  • ZA Super-Weitwinkel mit F4
  • ZA lichtstarke Festbrennweite
  • Sony G Makro
  • zwei weitere
Roadmap

Roadmap von Sony: 2014 sollen fünf weitere FE-Objektive kommen.

Zu den beiden weiteren Objektiven gibt es noch keine Angaben. Fest steht indes, dass auch Zeiss FE-Objektive bringen wird – mit vollständiger elektronischer Kompatibilität aber ohne Autofokus.

E-Objektive

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass sich natürlich auch die bisherigen E-Objektive an die A7/A7R ansetzen lassen. Diese sind jedoch auf den APS-C-Bildkreis berechnet und erzeugen auf einem Kleinbild-Sensor ein kreisrundes Bild auf schwarzer Fläche. Anders als bei den bisherigen Vollformartkameras von Sony, beschneiden die A7/A7R das Aufnahmeformat aber nicht mehr automatisch, sobald ein APS-C-Objektiv von Sony angesetzt wird.

A-Objektive via Adapter

Neben den proprietären FE-Objektiven gibt es zwei Adapter, über die sich praktisch alle bisherigen A-Mount-Objektive von Minolta und Sony an die A7/A7R anschließen lassen.

  • LA-EA3 ohne Autofokus (Preis ca. 200 Euro)
  • LA-EA4 in SLT-Bauweise mit integriertem Phasen-AF (Preis ca. 350 Euro)
Alpha7-mit-LA-EA4

Mit dem Adapter LA-EA4 nimmt die A7 A-Mount-Objektive auf.

Auch wenn der LA-EA4 vielleicht etwas unförmig wirkt – für mich ist er die bessere Lösung, um A-Mount-Objektive an der A7/A7R zu adaptieren. Nicht etwa, weil ich unbedingt einen Autofokus brauche. Aber die üblichen A-Mount-Objektive lassen sich nun einmal nicht so gut manuell fokussieren. Ein zu kurzer Schneckengang und ein meist fummelig kleiner Fokusring machen einem das Leben nicht gerade leicht.

A7 mit SAL 135

A7 mit ZA 138/F1.8 via LA-EA4: F2.5 ∣1/200 s ∣ ISO 100

„Leica M“-Objektive (und andere) via Adapter

Das E-Bajonett hat ein sehr geringes Auflagenmaß von nur 18 mm. Daher lassen sich praktisch alle Kleinbild-Objektive an die A7/A7R adaptieren. So auch die hervorragenden Objektive für das Leica-M-Bajonett, von Leica selbst aber auch von Zeiss oder Voigtländer. Diese Objektive sind kompromisslos auf manuelles Scharfstellen hin konstruiert, also mit einem langen Verstellweg, der sehr exakte Entfernungseinstellungen ermöglicht. Mir haben die M-Objektive bereits vor zwei Jahren an einer NEX 5N viel Freude bereitet – hier mein Bericht auf Photoscala dazu. Wer M-Objektive an der A7/A7R verwendet, muss allerdings mit ein paar kleinen Einschränkungen leben: Programm- und Blendenautomatik funktionieren nicht (aber ich fotografiere sowieso zu 90 Prozent mit Zeitautomatik), Objektiv-bezogene EXIF-Daten gibt’s auch nicht.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den meisten älteren Objektiven anderer Systeme: Solange sie eine gute, alte Blendensteuerung aufweisen, lassen sie sich an die A7/A7R adaptieren.

Noch mehr Bilder

Christian vom SonyUserforum hatte inzwischen ebenfalls die Gelegenheit, mit der A7 zu fotografieren. Und sogar ausführlicher als ich. Er hat auf flickr ein kleines Album mit Bildern in Originalauflösung zusammengestellt.

Manuell fokussieren

Unterm Strich sind es also weitaus mehr, als die jetzt angekündigten FE-Objektive, die man sinnvoll mit der A7/A7R verwenden kann. Einen ganz besonderen Charme entfaltet dabei für mich die Möglichkeit, Leica-M- oder Zeiss-ZM-Objektive mit den Kameras zu kombinieren. Sie sind klein und leicht, und doch bieten sie in der Regel eine überragende Abbildungsleistung – letzteres macht sie gerade auch für die hochauflösende A7R sehr interessant. Und keine Angst, dass diese Objektive von Hand scharf gestellt werden müssen: Das geht wirklich sehr einfach. Zumal die A7/A7R Fokus-Peaking können. Dabei werden Kontrastkanten in der Schärfeebene farbig hervorgehoben.