Posted by on Sonntag, 6. April 2014 in Blog, Fotografie | 4 Kommentare

Die Sony A6000 spurtet mit einer Serienbildrate von elf Bildern pro Sekunde los und führt dabei auch noch für jedes Bild der rasanten Serie den Fokus nach. Ich kenne nur eine weitere Kamera, die das ebenfalls kann: Die brandneue Nikon D4S für rund 6200 Euro. Da ich die Nikon D4S zur Zeit hier habe, musste sich die A6000  einem zugegebenermaßen unfairen Vergleich stellen. Kann die A6000 für rund 650 Euro mit dem Sport- und Action-Boliden von Nikon mithalten?

Die Sony Alpha 6000 und die Nikon D4S haben trotz des gehörigen Preisunterschieds eine Gemeinsamkeit: Sie schießen Serienbilder mit einer schon fast irrwitzigen Geschwindigkeit von 11 Bilder/Sekunde (fps). Und dabei führen beide Kameras für jedes einzelne Bild der Serie den Fokus nach. Um zu testen, ob die Autofokus-Systeme beider Kameras in der Praxis auch halten, was sie auf dem Papier versprechen, musste meine Hündin Janna als Action-Model ran: Zunächst hieß es brav absitzen, dann habe ich oder mein Nikon-Experte Reinhard ein Apportel geworfen. Sobald Janna losgespurtet war und das Bringest aufgenommen hatte, traten die Kameras in Aktion.

Das Schwierige an diesem „Testaufbau“ für die Kameras: Janna bewegt sich nahezu senkrecht zur Sensorebene. Der Autofokus muss also für jedes Einzelbild der Serie die Entfernungseinstellung nachregulieren. Das ist eine echte Herausforderung für die Kameras. Entscheidend ist nicht nur, dass der AF schnell und präzise genug reagiert, er muss auch das Motiv erkennen.

Der AF der A6000 hält verblüffend gut mit.

Der AF der Sony A6000 hält verblüffend gut mit. An der Transporttechnik muss Janna noch arbeiten.

Bei der AF-Geschwindigkeit hat die A6000 kaum Probleme: Hat die Kamera Janna erst einmal erkannt, lässt der Autofokus meine Hündin nicht mehr los. Besonders praktisch dabei ist, dass die Funktion AF-Verriegelung das Action-Motiv mit einem Rahmen im Sucher markiert. Solange er grün ist, hält die A6000 meine Janna weiter im Fokus. Wechsel die Rahmenfarbe auf Grau, erkennt die Kamera das Motiv nicht mehr. Wenn das passiert ist, hat die A6000 die Janna komplett aus dem Fokus verloren und auch nicht mehr wiedergefunden. Das ist so bei rund einem Drittel der Testläufe passiert.

Die Nikon D4S ist da zunächst komplizierter zu handhaben, eine so praktische Funktion wie die AF-Verriegelung mit Markierungsrahmen kennt sie als reinrassige DSLR naturgemäß nicht. Dennoch hat sie Janna praktisch nie verloren, das hochgezüchtete AF-System der Profi-Kamera konnte stets zwischen bewegtem Hauptmotiv und unbewegtem Hintergrund unterscheiden. Aber wenn Janna sehr schnell kommt (besonders am Anfang des Tests), ist da schon mal die Rute im Fokus, jedoch nicht die Schnauze oder Augen. Dennoch: Die Ausschussquote liegt bei der Nikon D4S sicherlich unter 20 Prozent.

Bei der A6000 war die Ausschnussquote deutlich höher. Das liegt sicherlich daran, dass hier eher eine Art Mustererkennung für den Lock-On-Autofokus eingesetzt wird. Solange Janna direkt auf die Kamera zuläuft, funktioniert alles wunderbar. Schüttelt sie aber das Apportel (was sie natürlich nicht soll) oder ändern gar den Kurs, kommt der AF der A6000 aus dem Tritt.

Zugegeben: Der Test mit dem Hund war sehr anspruchsvoll. Hätte ich mich mit der A6000 an einer Rennstrecke postiert, etwa am Ende einer Kurve, hätten die Wagen immer ein gleiches „Gesicht“ gezeigt.

Die Nikon D4S ist dennoch klar die bessere Action-Kamera. Nicht unbedingt nur wegen ihres noch besseren, schnelleren Autofokus‘. Aber ganz sicher wegen ihres klassischen Spiegelreflexsuchers. Die Sony A6000 zeigt nämlich bei höchster Serienbildrate von 11 fps kein Sucherbild – stattdessen erscheint das zuletzt aufgenommene Foto im Sucher. Je länger die Serinbildserie dauert, desto größer wird die Gefahr, dass das Motiv auswandert. Es ist einfach schon an einer anderen Position, als es das Sucherbild suggeriert.

Bei der Nikon D4S hat mich zudem verblüfft, ja geradezu begeistert, wie kurz die Dunkelphase ist, solange der Schwingspiegel den Sensor freigibt. Der Spiegel klappt derart schnell hin und her, dass das Sucherbild lediglich etwas „abgehackt“ wirkt. Da hat man keine Probleme, die Kamera mit dem Action-Motiv mitzuziehen.

Unterm Strich erledigt dennoch  der AF der Sony A6000 seinen Job überraschend gut. Um mal auf dem Teppich zu bleiben: die A6000 kostet nur rund ein Zehntel der Nikon D4S.  Und mal ehrlich: 11 fps benötigt man in den seltensten Fällen, 6 fps reichen meistens völlig.