Posted by on Samstag, 17. Mai 2014 in Allgemein | 23 Kommentare

Sony wertet die Edel-Kompakte RX100 weiter auf. Die heute vorgestellte RX100 III ist mit einem sehr lichtstarken Zoomobjektiv ausgestattet (24-70/1.8-2.8) und hat einen ausfahrbaren elektronischen OLED-Sucher an Bord. Dafür musste der Zubehörschuh weichen, ferner fällt die RX100 III etwas pummeliger aus als die Mark II.  Ich hatte die Kamera gestern für ein paar Stunden in der Hand, hier mein erster Eindruck.

Auf den ersten Blick lässt sich kaum ein Unterschied zwischen der neuen RX100 III und der RX100 II ausmachen. Die neue ist um nicht einmal drei Millimeter dicker geworden und hat nur unwesentlich an Gewicht zugelegt auf jetzt 290 Gramm. Damit fällt die RX100 III nur einen Hauch pummeliger aus als die zweite Ausgabe der Kamera. In der Hand oder in der Hosentasche macht sich das nicht bemerkbar. Mit der RX100 III wächst die RX100-Familie übrigens zum Trio. RX100 und RX100 II bleiben weiterhin im Programm.

Die RX100 III (links) gerät nur einen Hauch dicker als die RX100 II (rechts).

Die RX100 III (links) gerät nur einen Hauch dicker als die RX100 II (rechts).

Geblieben ist es bei den runden Formen des hochwertigen Metallgehäuses. Die RX100 III ist ein echter Handschmeichler. Die Knöpfchen und Schalterchen fallen allerdings weiterhin winzig aus, das lässt sich wohl bei einem derart kompakten Gehäuse nicht vermeiden.

Versenkbarer elektronischer Sucher

Völlig neu an der RX100 III ist ein versenkbarer elektronischer Sucher. Er gleicht dem der A6000, seine Auflösung beträgt rund 1,44 Millionen dots, auch die Größe entspricht der des Suchers in der A6000. Für mich als Brillenträger ist allerdings der Augenabstand der Austrittspupille sehr klein, ich schiebe daher die Brille lieber in die Stirn, wenn ich in den EVF der RX100 III blicke. Das ist kein Problem, weil Sony dem EVF eine Dioptrienkorrektur spendiert hat. Ansonsten gibt es am Sucherbild nichts zu meckern. Das OLED-Panel ist ordentlich hell, Farben stellt es sehr natürlich dar und wer will, kann sogar die Farbtemperatur an seine Vorlieben anpassen. Sony hat die Sucheroptik übrigens mit der Zeiss-T*-Vergütung veredelt, die Reflexionen wirksam unterdrücken soll. Bei meiner kurzen Begegnung mit der RX100 III ist da aber ein wirkliches Aha-Erlebnis ausgeblieben.

Der elektronische Sucher der RX100 III verschwindet auf Wunsch komplett im Gehäuse. Dumm nur, dass sich beim Einfahren die Kamera abschaltet – das muss Sony noch ändern!

Der elektronische Sucher der RX100 III verschwindet auf Wunsch komplett im Gehäuse. Dumm nur, dass sich beim Einfahren die Kamera abschaltet – das muss Sony noch ändern!

Der Sucher wird mit einem kleinen Schieber entriegelt, worauf er aus seiner Parkposition springt. Anschließend zieht man noch das Okular ein Stückchen heraus, was mit einem Handgriff schnell erledigt ist. Das Clevere dabei: Sobald man den Sucher aufspringen lässt, schaltet sich die RX100 III ein. Umgekehrt schaltet sich die Kamera aus, sobald der Sucher wieder eingeparkt wird. Das finde ich jedoch alles andere als clever. Oftmals will ich ja einfach nur den Sucher schützend einschieben, die Kamera aber weiterhin verwenden. Diese Herrschaft des Suchers über den Hauptschalter fanden auch andere Tester weniger gelungen, Sony hat versprochen, das noch einmal zu überdenken.

Sehr lichtstarkes Objektiv

Völlig neu ist das Objektiv der RX100 III: Es zoomt jetzt von 24 bis 70 Millimeter (bezogen auf Kleinbild), die Lichtstärke hat Sony von f/1.8 bis f/2.8 erhöht. Bei den bisherigen RX100-Modellen reichte das Zoom zwar etwas weiter in den Telebereich hinein, dafür bietet die RX100 III mehr Weitwinkel. Mir persönlich gefällt der erweiterte Weiwinkelbereich sehr gut, gerade bei Landschaftsaufnahmen und Fotos in engen Räumen ist das ein klarer Vorteil. Dass obenherum nun etwas Telebrennweite fehlen, hat mich beim ersten Kennenlernen der RX100 III nicht gestört – notfalls schneide ich das Bild leicht zu, genügend Auflösungsvermögen bietet die kleine Kamera ja.

Das Objektiv "Zeiss Vario Tessar" ist eines der Highlights der RX100 III (Foto: Sony)

Das Objektiv „Zeiss Vario Tessar“ ist eines der Highlights der RX100 III (Foto: Sony)

Ich habe in den rund zwei Stunden, die mir die RX100 III zur Verfügung stand über 300 Fotos mit der Kamera aufgenommen. Leider kann ich noch kein einziges davon zeigen, Sony hat die Veröffentlichung der Aufnahmen ausdrücklich nicht freigegeben. Ein bisschen kann ich das verstehen, denn zum Teil waren die Kameras noch mit einer sehr frühen Firmware-Version versehen, belastbare Aussagen über die Bildqualität verbieten sich daher. Mein erster Eindruck: Das Objektiv zeichnet nicht ganz so knackig scharf, Verzerrungen und Vignettierung halten sich jedoch sehr in Grenzen.

Vergleicht man die RAW-Aufnahmen mit parallel aufgezeichneten JPEGs, fällt sofort auf, dass Sony die Verzeichnungen kräftig korrigiert. Die entsprechenden Korrekturanweisungen werden übrigens direkt in die Meta-Daten der RAW-Datei geschrieben und von Lightroom, Adobe Camera Raw oder dem Image Data Converter automatisch berücksichtig. So ist es zumindest bei der RX100 II, davon wird Sony sicherlich auch bei der Mark III nicht abweichen. Folgt ein RAW-Konverter dieser Zwangskorrektur, lässt sie sich nicht umgehen. Ich habe die RAW-Aufnahmen mit Lightzone geöffnet, dieser Konverter beachtet die Korrekturanweisungen nicht. Lightroom und Image Data Converter können die RAWs der RX100 III derzeit nicht lesen, da müssen wir auf entsprechende Updates warten.

Die RX100 II schreibt ihre Korrekturdaten für das Objektiv direkt in die RAW-Dateien. Abschalten lässt sich diese Korrektur nicht, aber Adobe Camera Raw 8.4 weist zumindest darauf hin.

Die RX100 II schreibt ihre Korrekturdaten für das Objektiv direkt in die RAW-Dateien. Abschalten lässt sich diese Korrektur nicht, aber Adobe Camera Raw 8.4 weist zumindest darauf hin.

Sony hat die RX100 III im Hubertusbad in Berlin-Lichtenberg präsentiert, einem seit der Wende verfallenden Hallenbad im expressionistischen Stil. Die Lichtverhältnisse dort waren alles andere als optimal, aber dank der hohen Lichtstärke des Objektivs kein Problem. Dabei hat es sich durchaus als Vorteil erwiesen, dass sich das Zoom am langen Ende von 70 Millimeter Brennweite bei Offenblende f/2.8 in Bezug auf die Tiefenschärfe verhält wie eine Kleinbildkamera, die auf ca. f/8 abgeblendet ist. Man kann also mit der RX100 III getrost bei Offenblende fotografieren, ohne dass die Tiefenschärfe zu gering wird. Anderseits sind natürlich die Möglichkeiten zum Freistellen deutlich geringer, als es die hohe Lichtstärke vielleicht suggeriert. Immerhin hat Sony die RX100 III mit einem einschwenkbaren ND-Filter (-3 EV) ausgestattet, sodass sich auch in heller Umgebung bei Offenblende fotografieren lässt. Ausführlich gehe ich der Frage, welchen Einfluss die Sensorgröße auf die Bildgestaltung hat, in einem Artikel auf digitalkamera.de nach.

Bedienung verbessert, Funktionsumfang erweitert

Die RX100 III erhält denselben Bionz-X-Prozessor, den Sony mit der A7/AR eingeführt hat. Und damit ziehen auch die Menüstruktur sowie die Konfigurationsmöglichkeiten der neuesten Kamerageneration von Sony in die RX100 III ein. Neu hinzugekommen sind die Zebra-Funktion zur Belichtungskontrolle oder der Augen-AF, der zuverlässig eine Pupille im Sucher erkennt und darauf scharf stellt. Ganz besonders spannend finde ich, dass sich der schon von Haus üppige Funktionsumfang der RX100 III per Camera Apps erweitern lässt.

Die Benutzerführung der RX100 III ist nahezu identische mit der A7/A7R. Hier das Schnellmenü mit jetzt bis zu zwölf Vorgaben.

Die Benutzerführung der RX100 III ist nahezu identische mit der A7/A7R. Hier das Schnellmenü mit jetzt bis zu zwölf Vorgaben.

Schattenseite: RX100 III ohne Zubehörschuh

Sony hat bei der RX100 III den kleinen Bordblitz beibehalten. Dafür musste der Zubehörschuh weichen, für ihn war neben dem Sucher sowie dem Pup-Up-Blitz einfach kein Platz mehr. Das ist für mich sehr schade, denn gerade die Möglichkeit, meine RX100 II mit dem ausgesprochen handlichen Blitz HVL-20M ausstatten zu können, möchte ich nicht missen. Mir wäre es eindeutig lieber gewesen, wenn Sony auf den Bordblitz verzichtet hätte und stattdessen der Multi-Interface-Zubehörschuh bei der RX100 III geblieben wäre. Er nimmt ja bei der Mark II nicht nur ein Systemblitzgerät auf, sondern zum Beispiel auch das Stereomikrofon EXM-XYST1 M oder die Videoleuchte HVL-LEIR1. Für den Notfall hätte Sony ja anstelle eines Bordblitzes einen kleinen Aufsteckblitz beilegen können, wie etwa bei der NEX-5-Serie.

Preis und Verfügbarkeit

Auf zwei wichtige Fragen zur RX100 III gibt Sony noch keine Antworten: Was die Kamera kosten wird und ab wann sie zu haben sein wird. Ich gehe davon aus, dass die RX100 III eher teurer wird als die RX100 II bei der Markteinführung vor knapp einem Jahr. Da hatte Sony einen Preis von ca. 750 Euro aufgerufen. Die RX100 III wird also wohl 800 Euro, vielleicht sogar 850 Euro kosten. Sicherlich kein Pappenstiel für eine Kompaktkamera, aber die RX100 III hat ja auch eine Menge zu bieten.

Sony wird die RX100 III bestimmt spätestens zu Beginn der Urlaubssaison bringen, für unterwegs ist die kleine Kamera ja bestens geeignet. Ich denke, dass sie ab Ende Juni in den Läden stehen wird.

Mein Fazit

Mit der RX100 III wertet Sony die RX100-Familie weiter auf. Das sehr lichtstarke 2,9fach-Zoom geht jetzt im Weitwinkel auf 24 Millimeter Brennweite (bezogen auf Kleinbild) herunter, dafür nehme ich gerne den Verzicht auf ein paar Millimeter mehr im Telebereich in Kauf. Den elektronischen Sucher möchte ich schon nach zwei Stunden mit der RX100 III nicht mehr missen. Wie oft musste ich beim sonntäglichen Familienausflug mit der RX100 II abmühen, auf deren Display überhaupt etwas erkennen zu können! Zur Bildqualität kann ich abschließend noch nichts sagen, aber schlechter als die der RX100 II wird sie keinesfalls ausfallen. Damit reiht sich auch die RX100 III in die Riege der hosentaschentauglichen Kamera mit der besten Bildqualität ein.

Dass Sony allerdings bei der RX100 III auf den Multifunktionsschuh verzichtet, finde ich richtig schade. Immerhin belässt Sony die RX100 II mit Zubehörschuh sowie die inzwischen recht günstige RX100 weiterhin im Programm. Da kann jeder die Kamera mit der Ausstattung wählen, die am besten zu ihm passt.