Posted by on Montag, 20. Oktober 2014 in Bildbearbeitung, Blog | 9 Kommentare

Im Strudel der vielen Photokina-Neuheiten ist es etwas untergegangen, dass Phase One in Zusammenarbeit mit Sony eine spezielle Version des RAW-Konverters Capture One Express herausgebracht hat. Das Beste daran: Capute One Express (for Sony) ist gratis. Der RAW-Konverter zeigt eine eindrucksvolle Leistung. Wem die nicht reichen sollte, der bekommt für knapp 30 Euro die Pro Version von Capture One exklusiv für RAW-Dateien von Sony-Kameras.

Capture One genießt unter anspruchsvollen Fotografen einen hervorragenden Ruf. Ich kenne einige, die diesen RAW-Konverter (oder sollte ich besser sagen: die Workflow-Software?) Lightroom vorziehen. Nachdem ich Capture One Express (for Sony) nun etwas ausprobiert habe, kann ich das durchaus nachvollziehen: Das Programm zaubert eindrucksvolle Tonwerte, die Belichtungsautomatik verkneift sich diesen überbelichteten Look, der bei Lightroom seit Version 5 leider üblich ist.

Capture One stellt die Tonwerte mit einem Klick automatisch ein.

Capture One stellt die Tonwerte mit einem Klick automatisch ein.

Bislang gab es direkt von Sony den Image Data Converter (IDC). Dieser RAW-Konverter hat einen entscheidenden Vorteil: Er bildet Kamera-spezifische Funktionen wie DRO oder die Kreativmodi exakt nach. Dennoch empfinde ich den IDC nur als Notbehelf. Die Software ist derart Ressourcen-hungrig, dass nach ein paar Mausklicks der Lüfter im Rechner heult und winselt. Ich verwende daher bereits seit Jahren nichts anderes mehr als Lightroom zur Verwaltung und Ausarbeitung meiner Aufnahmen.

Capture One liefert hervorragende Ergebnisse beim Schärfen und der Rauschunterdrückung.

Capture One liefert hervorragende Ergebnisse beim Schärfen und der Rauschunterdrückung.

Allerdings gibt es Lightroom nicht gratis. Ganz anders Capture One Express (for Sony). Dessen Funktionsunfähig kann sich zwar nicht ganz mit dem von Lightroom messen, aber das Wichtigste ist an Bord: Weißabgleich, Belichtung, Gradationskurve und Schärfe sowieso, aber auch Möglichkeiten zur Objektivkorrektur, Rauschunterdrückung und selektiven Farbkorrektur. Es fehlen Funktionen zur lokalen Korrektur, wer die und die Möglichkeit zum Tethered-Shooting braucht, kann die Pro-Version von Capture One für knapp 30 Euro herunterladen (einen Vergleich mit der Gratis-Version gibt es hier bei Phase One als PDF-Datei).

Abbildungsfehler des Objektivs korrigiert Capture One überzeugend. Es fehlt allerdings eine Funktion zur Korrektur von Verzerrungen.

Abbildungsfehler des Objektivs korrigiert Capture One überzeugend. Es fehlt allerdings eine Funktion zur Korrektur von Verzerrungen.

Die Bearbeitungsergebnisse mit Capture One haben mich restlos überzeugt. Bessere Ergebnisse liefert Lightroom auch nicht ab. Aber bei Bedienkomfort und Bearbeitungsgeschwindigkeit hat Lightroom die Nase vorn. Besonders schmerzlich vermisse ich in Capture One Express (for Sony) einen schnellen Vorher-/Nachher-Vergleich. Dennoch: Für lau gibt es derzeit nichts Besseres. Mein Tipp: Capture One Express (for Sony) unbedingt mal ausprobieren!

Die Möglichkeiten zur selektiven Farbkorrektur in Capture One sind sehr detailliert.

Die Möglichkeiten zur selektiven Farbkorrektur in Capture One sind sehr detailliert.