Posted by on Dienstag, 4. November 2014 in Allgemein, Blog, Fotografie | 2 Kommentare

Das US-Patentamt hat am 21. Oktober eine Patentschrift von Sony veröffentlicht, welche eine Kamera mit um die Z-Achse verschiebbaren Bildsensor beschreibt. Sony ist also offenbar in der Lage, eine Kamera zu bauen, bei der sich der Abstand der Bildebene zum Bajonett (und damit das Auflagemaß) ändern lässt. Sollte eine derartige Kamera auf den Markt kommen, würde das ungeahnte technische Möglichkeiten eröffnen.

Normalerweise ist der Abstand zwischen der Bajonettfläche einer Kamera und der Sensoroberfläche (das Auflagemaß) eine fest vorgegebene Größe, die bei der Konstruktion eines Objektivs berücksichtigt werden muss. Würde man ein A-Mount-Objektiv (Auflagemaß: 44,5 mm) an eine E-Mount-Kamera (Auflagemaß: 18 mm) anschließen können, ließe sich dieses Objektiv nicht mehr auf unendlich fokussieren.  Umgekehrt lassen sich A-Mount-Objektive nur am E-Bajonett verwenden, wenn ein Adapter (LA-EA3 oder LA-EA4) die Differenz zwischen den beiden Auflagemaßen (44,5 mm – 18 mm = 26,5 mm) ausgleicht.

Anstatt nun das Auflagemaß für A-Mount-Objektive an einer E-Mount-Kamera mit einem Adapter zu verlängern, könnte man allerdings auch den Bildsensor um den entsprechenden Betrag, also um 26,5 mm, nach hinten verschieben. Der umgekehrte Weg ist ebenfalls denkbar: E-Mount-Objektive ließen sich an einer A-Mount-Kamera verwenden, wenn diese den Bildsensor nach vorne verlagern könnte.

Das US-Patentamt hat nun ein unter der Nummer 8.886.965 B2 ein Patent veröffentlicht, das genau dieses Prinzip eines um die Z-Achse verschiebbaren Bildsensors beschreibt. Ob und in welcher Form Sony dieses Patent nutzen wird, ist natürlich reine Spekulation. Denkbar wäre eine Reihe von Szenarien:

E-Mount-Kamera mit direkter Anschlussmöglichkeit von A-Mount-Objektiven

Der wichtigste Einsatzbereich eines Z-Shift-Sensors liegt auf der Hand: Der Mechanismus könnte das Auflagemaß von E-Mount-Kameras derart verlängern, dass sich A-Mount-Objektive ohne „Zwischenring“ direkt an die Kamera anschließen ließen. Da E- und A-Mount aber weder mechanisch noch elektronisch kompatibel zueinander sind, müsste weiterhin eine Art Adapter verwendet werden. Möglicherweise ist dieser aber bereits direkt in das Kameragehäuse integriert – zu diese Frage bleibt die Patentschrift etwas nebulös.

Fokus per Sensor-Shift

Durch die Änderung des Auflagemaßes lässt sich die Schärfeebene ändern und somit fokussieren. Ein Verfahren, das übrigens nicht ganz neu ist: Die Contax AX konnte die Filmebene verschieben und so auch mit manuellen Objektiven automatisch scharf stellen. Allerdings erfordert dieses Verfahren bei zunehmender Brennweite einen immer größeren Verstellweg für die Sensorebene.

Naheinstellgrenze verkürzen

Verlagert man bei einer E-Mount-Kamera mit E-Mount-Objektiv die Sensorebene nach hinten, wirkt dies wie ein Zwischenring zwischen Kamera und Objektiv. Die Naheinstellgrenze verkürzt sich, der maximal erzielbare Abbildungsmaßstab wird entsprechend größer. Allerdings geht dadurch die Fähigkeit verloren, auf unendlich fokussieren zu können.

Randstrahlenproblematik entschärfen

Insbesondere bei Weitwinkelobjektiven werden die Lichtstrahlen zu den Rändern des Bildsensors hin immer weiter aufgefächert. Das Licht fällt nicht mehr im rechten Winkel auf die Sensorfläche, was sich sichtbar negativ auf die Abbildungsleistung auswirkt.Das Problem ist umso größer, je näher die Sensorfläche an die Hinterlinse des Objektivs rückt. Mit einem verschiebbaren Sensor ließe sich das Problem minimieren, Sony könnte für Weitwinkelobjektive das Auflagemaß vergrößern. Allerdings würden diese Objektive dann nur noch an Kameras mit Z-Shift-Sensor ohne Einschränkung funktionieren.

Meine Meinung

Welchen Hintergedanken Sony bei der Entwicklung des Z-Shift-Sensors hat, ist unklar. Möglicherweise profitieren (vorerst) nur die professionellen Videokameras davon. Im Videobereich ist ein variables Auflagemaß durchaus üblich, allerdings wird es dort bevorzugt am Objektiv (und nicht an der Kamera) geändert.

So ganz für ausgeschlossen halte ich es aber nicht, dass Sony den Z-Shift-Sensor auch bei einer der nächsten Systemkameras mit E-Mount (nennen wir sich A9) bringen wird. Dann könnten sich A-Mount-Objektive ohne viel Federlesen an einer E-Mount-Kamera verwenden lassen. Das Angebot an A-Mount-Linsen ist deutlich größer als für das E-Mount, insbesondere im Vollformat. Eine E-Mount-Kamera mit Z-Shift-Sensor würde also die Lücken im Objektivangebot mit einem Schlag schließen. Unter diesem Gesichtspunkt erschließt sich dann auch, warum Sony den „Markennamen“ NEX fallengelassen hat, und nur noch vom Alpha-System mit zwei verschiedenen Bajonettsystemen spricht.