Posted by on Mittwoch, 1. April 2015 in Aktueller Kameratest, Blog | 4 Kommentare

Die letzten drei Tage habe ich mich intensiv mit dem neuen 10fach-Zoom FE 24-240 mm 3.5-6.3 OSS (SEL-24240) fürs E-Mount-Vollformat beschäftigt. Dank seines weiten Zoombereichs vom starken Weitwinkel bis zum mittleren Tele ersetzt es mehrere Festbrennweiten oder mindestens zwei Zoom-Objektive – zumindest auf dem Papier. Doch im Einsatz zeigt das SEL-24240 neben viel Licht auch so seine Schattenseiten. Hier meine ganz persönlichen Gedanken zum neuen Super-Zoom von Sony.

Seit Freitag habe ich dem SEL-24240 intensiv für einen Testbericht auf digitalkamera.de auf den Zahn gefühlt. Drei Tage lang war ich mit dem 10fach-Zoom an meiner Alpha 7 II sowie einer Alpha 7R unterwegs und habe dabei einige Eindrücke sammeln können.

Zunächst einmal ist das SEL-24240 ungewöhnlich groß und schwer. 780 Gramm wiegt es, insbesondere an der Alpha 7R wirkt die Kamera-Objektivkombination recht kopflastig. Wird das Objektiv auf die maximale Brennweite von 240 Millimeter ausgezoomt, ist es fast 20 Zentimeter lang – auch das trägt zur unausgewogenen Gewichtsverteilung bei. Gar nicht davon zu reden, dass die Alpha 7 II bestückt mit dem SEL-24240 mit knapp 1,5 Kilo an der Schulter zerrt. Nur einmal so zum Vergleich: Eine RX10 mit 24-200 Millimeter Zoom wiegt nur ein paar Gramm mehr als das SEL-24240 solo und bietet durchgehend Lichtstärke F2.8.

SEL-24240 bei 24 Millimeter

Bild 1 von 6

Der große Vorteil des 10fach-Zooms: Es deckt den großen Brennweitenbereich von 24 Millimeter bis ...

Den Vergleich der Kombination Alpha 7R plus SEL-24240 mit der RX10 (hier der Test bei digitalkamera.de) halte ich durchaus für berechtigt: Die Bildqualität der ungleichen Paarungen bewegt sich auf ähnlichem Niveau (siehe Kasten). Zugegeben, bei der maximalen Auflösung kann die RX10 nicht mit der Alpha-Kombination mithalten. Dafür ist die Auflösung bei der RX10 über das Bildfeld hinweg deutlich homogener als bei der Alpha 7R mit dem SEL-24240. Das neue 10fach-Zoom verliert nämlich zu den Bildecken und -rändern hin teils mehr als 50 Prozent an Auflösung (das vollständige Laborprotokoll gibt es bei digitalkamera.de gegen ein kleines Entgelt). Das ist einfach zu viel und stört insbesondere im Weitwinkelbereich.

RX10 vs. SEL-24240: Auflösung im Vergleich

Vollformatsensoren verlangen nach Objektiven, die ihr Potential auch ausschöpfen können – insbesondere wenn sie 36 Megapixel auflösen wie die Alpha 7R. Dass das dem neuen 10fach-Zoom SEL-24240 nicht ganz gelingt, zeigt die Auflösungsmessung bei der digitalkamera.de (Abbildungen mit freundlicher Genehmigung durch digitalkamera.de):

SEL-24240: MTF-50 normalisiert auf Kleinbildformat.

SEL-24240: MTF-50 normalisiert auf Kleinbildformat.

Ermittelt wird die Auflösung bei 50 Prozent Motivkontrast, dabei kommen Soft- und Hardware von DxO-Labs zum Einsatz. digitalkamera.de misst die Auflösung von Zoomobjektiven bei drei Brennweiten (kürzester, längster und mittlerer) jeweils im Bildzentrum (durchgezogene Linie) und am Bildrand (gestrichelt). Werte von über 40 lp/mm gelten als gut und werden auch von Kameras mit nicht so hoher Auflösung erreicht, wenn die Objektive hoch auflösen. Mehr als 50 lp/mm sind sehr gut, alles über 60 lp/mm ist exzellent.

In der Praxis zählt die erzielbare Maximalauflösung (die beim SEL-24240 mit mehr als 70 lp/mm bei 24 mm Brennweite jenseits von Gut und Böse ist) jedoch deutlich weniger als eine möglichst homogene Leistung über das Bildfeld und auch bei verschiedenen Brennweiten hinweg. Und genau da patzt das SEL-24240 dann leider: Insbesondere im Weitwinkelbereich gehen zu den Bildrändern hin mehr als 50 % der Auflösung verloren. Diesen Auflösungsverlust sieht man auch im Ausdruck; vielleicht nicht gerade bei 13 x 9 cm, aber bei A3-Prints sicherlich.

Ebenfalls deutlich erkennbar ist, dass das SEL-24240 für beste Leistung an der Alpha 7R kräftig abgeblendet werden will – auf F13 bei 24 mm, bei längeren Brennweiten gar auf F16 und mehr. Am langen Teleende hilft das jedoch nicht, die Randauflösung auf ein erträgliches Maß von wenigstens 30 lp/mm zu liften.

Unterm Strich heißt das: Das SEL-24240 zeigt bestenfalls im Bildzentrum eine sehr gute Leistung (will dafür aber extrem stark abgeblendet werden). Ganz anders dagegen die RX10:

RX10: MTF-50 normalisiert auf Kleinbildformat.

RX10: MTF-50 normalisiert auf Kleinbildformat.

Die RX10 schafft naturgemäß nicht die hohe Maximalauflösung des SEL-24240 an der Alpha 7R. Aber die Marke von 40 lp/mm knackt sie bei allen Brennweiten (wenngleich nicht bei allen Blenden) – zumindest im Bildzentrum. An den Bildrändern ist sie der Kombination aus Alpha 7R + SEL-24240 hingegen klar überlegen. Bei mittlerer und längster Brennweite ist der Auflösungsverlust zu den Bildrändern hin gar so gering, dass man ihn vernachlässigen kann. Schade ist nur, dass es ausgerechnet im Weitwinkelbereich bei RX10 einen etwas kräftigen Randverlust der Auflösung gibt.

Gedacht hat Sony das Sony FE 24-240 mm 3.5-6.3 OSS als Objektiv für alle Gelegenheiten – eben als eierlegende Wollmilchsau. Oder anders ausgedrückt: Für alle, die das Objektiv möglichst selten wechseln möchten. Das mag durchaus bequem sein, etwa beim Sonntagsspaziergang oder im Urlaub. Für meinen Geschmack wird das Objektiv diesem Anspruch aber nicht ganz gerecht. Es ist groß und schwer, sodass die Alpha 7 bestückt mit diesem Objektiv viel von ihrem Charme verlieren. Zudem verschenkt man mit diesem »Immerdrauf-Objektiv« auch viel Bildqualitätspotential der Alpha-7-Familie.

Das SEL-24240 und meine Alpha 7 II werden wohl keine richtigen Freunde werden. Eine RX10 (Straßenpreis: ab 750 Euro) oder auch die Panasonic Lumix DMC-FZ1000, die sogar bis 400 Millimeter zoomt, halte ich da für die bessere Alternative. Beide Bridge-Kameras bieten mindestens bis ISO 1600 eine ordentliche Bildqualität und sind deutlich leichter als eine Alpha 7 mit dem SEL-24240.