Posted by on Mittwoch, 8. April 2015 in Aktueller Kameratest, Blog | 3 Kommentare

In der letzten Woche hatte ich fast ausschließlich ein Objektiv an meiner Alpha 7 II: das FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA (SEL-35F14). Eigentlich empfiehlt sich die Edel-Linse ja auch für Architektur- und Landschaftaufnahmen. Das Wetter wollte da aber absolut nicht mitspielen, erst Sturm in Orkanstärke dann Graupel und Schnee. Die wenigen Sonnenstunden konnte ich aber für ein anderes Sujet nutzen, das dem SEL-35F14 ebenfalls sehr liegt: Reportage. Hier mein erster Eindruck und vor allem ein paar Bilder, die mit dem Objektiv entstanden sind.

Das sehr lichtstarke 35er ist ein besonders Objektiv: Groß, schwer und leider auch teuer. Wer sich für einen ausführlichen Testbericht interessiert – den habe ich für digitalkamera.de geschrieben. Hier geht es nun vor allem um die Besonderheiten, die mir am  Sony FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA aufgefallen sind.

Da ist zunächst einmal der Blendenring – ein Bedienelement, das eigentlich bei E-Mount-Kameras nicht nötig ist, schließlich wird hier ja die Blende elektronisch via Kamera vorgewählt. Aber die Blende lässt sich am SEL-35F14Z auf stufenlos umschalten. Und dann bekommt der Blendenring einen Sinn, lässt sich doch jetzt mit seiner Hilfe weich auf- oder abblenden – vor allem für Videofilmer eine interessante Option.

Stufenlose Blende

Bild 1 von 6

Die Blendensteuerung lässt sich von der beim Fotografieren üblichen Rastblende auf stufenlos umschalten. Die stufenlose Blendensteuerung ist vor allem für Videofilmer interessant.

Etwas Besonderes hat sich Sony auch für den Autofokus-Antrieb des SEL-35F14Z einfallen lassen. Bei dessen Direct Drive SSM verstellt ein Linearantrieb die Fokusgruppe im Strahlengang. Die entsprechenden Linsen werden also nicht mehr »geschraubt«, sondern linear hin- und hergefahren. Dank dieser Technik fokussiert das neue 35er wirklich sehr schnell, an meiner Alpha 7 II hielt es auch bei zügigen Kamerafahrten das Hauptmotiv sicher im Fokus. Vor allem aber arbeitet der Direct Drive SSM flüsterleise, was sicherlich nicht nur Videofilmer freuen wird.

Doch wie steht’s mit der Bildqualität? Die ist unterm Strich sehr gut, so wie man es von einem Objektiv in der Preisklasse des FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA erwarten kann. Bei Offenblende und abgeblendet bis etwa f/2.0 zeichnet es ein herrlich weiches Bokeh, das auch bei noch kleineren Blendenöffnungen nie unangenehm harsch wird. Zum sehr gefälligen Bildeindruck trägt zudem bei, dass das SEL-35F14Z resistent ist gegen chromatische Aberrationen, Farbsäume an Kontrastkanten sind bei ihm kein Thema. Das gilt ausdrücklich auch für longitudinale chromatische Aberration (»Bokeh-CAs«), die Sony im Verein mit Zeiss sehr sauber auskorrigiert hat. Die maximale Auflösung ist sehr hoch, das Testlabor von digitalkamera.de hat Werte von über 70 Linienpaaren pro Millimeter gemessen. Gut gefallen hat mir auch, dass das SEL-35F14Z kaum anfällig für Flares oder Blendenflecken ist, wenn sich eine Punktlichtquelle im Bildausschnitt befindet.

Beispielbilder

Perfekt ist das FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA allerdings nicht, insbesondere nicht bei großer Blende. Bei Offenblende vignettiert es ausgesprochen stark, der Helligkeitsverlust zu den Bildrändern hin beträgt mehr als -2 EV. Glücklicherweise verringert sich dieses Problem merklich, sobald mindestens auf f/2.0 abgeblendet wird. Gravierender ist da schon, dass bei großen Blenden auch die Randauflösung merklich leidet. Wer bis in die Ecken hoch-aufgelöste Aufnahmen wünscht, sollte das SEL-F35F14Z auf f/8 abblenden.

Mein Fazit:

Abgesehen von einigen Schwächen bei großen Blenden macht das FE 35 mm 1.4 Distagon T* ZA alles richtig. Die Bildqualität ist beeindruckend, insbesondere wenn man die Eigenheiten wie Vignettierung und Randabfall der Auflösung bei der Bildgestaltung mit einbezieht. Allerdings ist das Objektiv auch sehr groß, schwer und teuer (ca. 1.700 Euro). Videofilmer werden den hohen Preis vielleicht in Kauf nehmen, als reines Foto-Objektiv finde ich das SEL-35F14Z allerdings recht kostspielig. Ein via LA-EA4 adaptiertes Sigma Art 35mm F1,4 DG HSM kommt deutlich günstiger, in den Abbildungsleistungen dürfte es dem neuen 35er von Sony kaum nachstehen.