Posted by on Dienstag, 21. April 2015 in Blog, Lightroom | 12 Kommentare

Seit Wochen brodelt es in der Gerüchteküche, seit heute Abend ist es offiziell: Adobe bringt Lightroom 6 und Lightroom CC. Ich hatte bereits die Gelegenheit, der neuen Version etwas auf den Zahn zu fühlen.

Für digitalkamera.de habe ich ein ausführliches Preview zum neuen Lightroom veröffentlicht. Es wird übrigens wieder zwei Varianten geben: Die Kaufversion Lightroom 6 sowie die Mietversion Lightroom CC. Lightroom CC vorbehalten bleibt die Anbindung an Lightroom mobile für Smartphones und Tablets mit iOS oder Android.

Hier möchte ich daher nur ganz knapp die wichtigsten Neurungen auflisten sowie mein ganz persönliches Fazit nach den ersten Tagen mit Lightroom 6 ziehen. Das ist neu:

Leistung

GPU-Unterstützung. Lightroom 6 lagert viele Berechnungen auf die GPU (Prozessor der Grafikkarte), wenn diese mindestens OpenGL 3.3 beherrscht. Das entlastet den Hauptprozessor und macht sich vor allem bei ressourcenhungrigen Befehlen positiv bemerkbar.

Höhere Geschwindigkeit bei Im- und Export. Der Im- und Export von Bildern geht nun deutlich zügiger vonstatten.

Automatische Größe der Vorschaubilder. Lightroom 6 erzeugt auf Wunsch Vorschaubilder in einer Größe, die der Bildschirmauflösung entspricht.

Die Kaufversion Lightroom 6 unterscheidet sich kaum von der Mietversion Lightroom CC. Letzterer bleibt allerdings die Zusammenarbeit mit Lightroom mobile vorbehalten.

Die Kaufversion Lightroom 6 unterscheidet sich kaum von der Mietversion Lightroom CC. Letzterer bleibt allerdings die Zusammenarbeit mit Lightroom mobile vorbehalten.

Bildverwaltung (Bibliothek)

Sammlung bereits beim Import auswählbar. Im Import-Dialog kann man nun eine Sammlung angeben, in die die frischen Aufnahmen automatisch einsortiert werden. Interessant ist dies vor allem auch in Verbindung mit Lightroom mobile: Gibt man als Ziel die Sammlung an, die sich mit Lightroom auf dem Smartgerät synchronisiert, sind die neuen Aufnahmen sofort auch auf dem Tablet oder Smartphone verfügbar.

Automatische Gesichtserkennung. Ähnlich wie der Organizer von Photoshop Elements beherrscht Lightroom 6 eine automatische Personensuche. Einmal erkannte Gesichter werden den entsprechenden Personen zugeordnet, Schlagworte vergibt Lightroom dann ebenfalls automatisch.

Ad-hoc-Entwicklung mit feineren Abstufungen. Die Ad-hoc-Entwicklung erlaubt jetzt kleinere Inkremente. Dafür klickt man bei gedrückter [Shift]-Taste auf die einfachen Pfeile.

Kontextmenü für Sprühdose. Wer Stichworte „aufsprüht“, wird sich darüber freuen“, dass er jetzt mit [Shift]+Klick ein Kontextmenü öffnen kann. Daraus lässt sich unter anderem eines der neun zuletzt gewählten Stichworte auswählen.

Sammlung filterbar. Sammlungen lassen sich filtern. So gibt der Filter „Herbst“ nur noch solche Sammlungen aus, die den Begriff „Herbst“ in der Bezeichnung tragen. Interessant vor allem für Anwender mit einer sehr umfangreichen Sammlungen-Palette.

Bildbearbeitung (Entwickeln-Modul)

HDR-Automatik. Lightroom 6 kann aus einer Belichtungsreihe ein HDR-Bild erzeugen (Bilder auswählen, dann Tastenkombination [Strg]+H), die resultierende Datei wird im DNG-Format mit 32-Bit Wortbreite gespeichert. Dieses 32-Bit-DNG lässt sich dann wie gewohnt und uneingeschränkt im Entwickeln-Modul weiter bearbeiten.

Panorama-Automatik. Aus mehreren Einzelaufnahmen setzt Lightroom 6 ein Panoramabild zusammen. Auch mehrzeilige Panoramen sollen möglich sein (ich hab’s noch nicht ausprobiert), ebenso HDR-Panoramen. Auch hier wird die resultierende Datei als DNG gespeichert, das sich uneingeschränkt weiter bearbeiten lässt.

Verlaufs- und Radialfilter editierbar. Die Masken in Verlaufs- und Radialfilter lassen sich nun mit einem Pinsel verfeinern. Dabei ist es möglich, Bereiche aus dem Filter herauszuradieren oder zu erweitern.

Rote-Augen-Korrektur auch für Tierfotos. Die Rote-Augen-Korrektur funktioniert nun ebenfalls für Tierfotos, korrigiert also auch bernsteinfarben leuchtende Katzen- und Hundeaugen.

Diashow

Bis zu zehn Musikstücke pro Diashow. Diaschauen lassen sich mit bis zu zehn Musikstücken (Sounddateien) unterlegen. Dabei kann Lightroom 6 die Bildwechsel an den Takt der Musik anpassen.

Schwenk- und Zoomeffekt. Für Diashows kann man Schwenk- und Zoomeffekte festlegen. Lightroom generiert diese allerdings automatisch, Schwenkpfade oder detaillierte Zoomfahrten (wie in Photoshop Elements) lassen sich nicht vorgeben.

Sonstiges

HTML5-Galerien. Das Web-Modul erzeugt auf Wunsch HTML5-Galerien. Dann gibt’s hübsche Animationen beim Klick auf ein Vorschaubild.

Nur noch 64 Bit. Lightroom 6 läuft nur noch auf 64-Bit-Systemen. Auf dem PC ist mindestens Windows 7 SP1 nötig, auf dem Mac OS X 10.8.

Erweiterter Funktionsumfang für Lightroom mobile. Lightroom mobile erhält wichtige Funktionen, wie Sternewertung, benutzerdefinierte Sortierung oder die Möglichkeit, Entwicklungseinstellungen per Copy & Paste zu übertragen.

Mein Fazit

Vor allem die neuen HDR- und Panorama-Funktionen haben mir im Test Spaß gemacht. Sie ersparen den zeitaufwändigen Umweg über Photoshop (oder ein anderes externes Programm) und liefern gute Ergebnisse. Vom versprochenen Geschwindigkeitsvorteil war auf meinem etwas betagten Window-7-System nicht so viel zu spüren, der Bild-Import ist aber wirklich flotter geworden. Mein MacBook Pro Retina arbeiett mit Lightroom 6 dagegen deutlich schneller, spürbar ist das auch im Entwickeln-Modul bei sehr großen Dateien.

Das aktuelle Lightroom mobile habe ich noch nicht ausprobiert, dafür fehlte die Zeit. Schade finde ich aber, dass Adobe bei Lightroom 6 eher mehr draufgepackt hat, als die Kernfunktionen weiter zu verbessern. So produziert die Belichtungsautomatik weiterhin zu helle Ergebnisse (vor allem bei RAWs aus einer Sony-Kamera, bei Nikon ist’s nicht ganz so schlimm). Auch ist Lightroom 6 nicht netzwerkfähig (der Katalog muss auf einem lokalen Laufwerk liegen) und auch nicht mehrbenutzerfähig. Das wird Hobby-Anwender und einzelkämpferische Berufsfotografen weniger stören; für größere Fotostudios oder Bildredaktionen eignet sich Lightroom 6 jedoch nicht so gut als Bildverwalter. Schön finde ich dagegen, dass es für Cloud-Verweigerer Lightroom weiterhin als Kauflizenz gibt. Ich würde allerdings zur Miete raten, denn nur dann gibt es Lightroom mobile dazu.

Preise und Verfügbarkeit trage ich nach, sobald Adobe die entsprechenden Daten kommuniziert hat.

[Nachtrag 21.04.2015, 23:00 Uhr] Inzwischen hat Adobe Deutschland auch den Preis für Lightroom CC bekannt gegeben, die Mietversion ist inklusive Photoshop CC für 11,89 Euro im Monat erhältlich. Zur Kaufversion heißt es in der Pressemitteilung lediglich: »Als Boxversion wird die Software unter der Bezeichnung Lightroom 6 im Handel erhältlich sein.«